Bamboo - Split Cane
Ein paar Betrachtungen zu Bambus Ruten
Eine Gespliesste besteht aus einem hochwertigen Naturprodukt und die Herstellung
stellt sehr hohe Ansprüche an die handwerkliche Kunst. Die Ersten Bamboos wurden
bereits im Jahre 1850 gebaut und man baut sie immer noch. Der beste Bambus
arundinaria amabilis dafür, übersetzt "das liebliche Gras", wächst
in einem geografisch sehr begrenztem Gebiet entlang des Sui Rivers in Süd-China,
nordwestlich von Hongkong und nicht wie vielfach angenommen, entlang des Golfs
von Tonkin.
Nur diese eine Bambusart hat die meisten und dichtesten Kraftfasern
und die wenigsten Knoten, also optimal für die Herstellung gespliesster Ruten.
Heute entsteht so eine Rute in etwa 40 Stunden, kann aber auch bis zu 100
Stunden Zeit in Anspruch nehmen, je nach Ausstattung. Der Herstellungsprozess
ist heute noch fast genauso wie vor über 100 Jahren.
Bjarnes Arbeitsplatz - wo gearbeitet wird, da fallen auch Späne
Abschnitt von Ingos erster Bamboo Rute, dient jetzt als Stöpsel für die Hülse
Im laufe der Zeit haben sich aber ganz entscheidend die Leime und Lacke
verbessert, so das die kleinen Zierwicklungen (Intermediates), welche den
Zusammenhalt der Rute unterstützt haben, entfallen können. Damit ist bereits
eine Gewichtsreduzierung vorhanden, die sich zugunsten der Aktion auswirkt. Die
heutigen 2 Komponenten-Kleber verschweissen die Spleisse für immer zusammen.
Abschnitt der Spitze - nur 0.8 mm Spleissbreite
Heutzutage werden die edelsten Materialien für Ringe, Rollenhalter und Hülsen
benutzt. Das solch ein edles Kunstwerk auch seinen Preis haben muss, ist daher
wohl auch einleuchtend. Die ähnlich hohen Preise für einen toten
Plastik-Knüppel, deren Blank nur wenige Euro in der Herstellung gekostet hat,
ist sicher nicht angemessen und daher sollte man lieber gleich zur Bamboo Rute
greifen.
tolles feeling mit Bamboo
Die ersten antiken Modelle waren meist recht schwer und lang, so ab 9 f aufwärts
und wurden oft zum Nassfischen eingesetzt. Die goldenen Jahre von Bamboo waren
in den 20er bis in die Mitte der 50er Jahre. Hier wurde grossartiges von den
Pionieren der Rutenbaukunst erschaffen. Die Ruten wurden kürzer und leichter und
immer besser für die leichte Fischerei mit Trockenfliege und Nymphe. Für gut
erhaltene Original-Ruten muss man heute oft mehrere Tausend Dollar hinlegen und
sind überwiegend für Sammler interessant, aber deshalb sind die etwas
preiswerteren neuen Bamboo Ruten von heute mindestens genau so gut oder besser.
fast 4 kg, gefangen mit Trockenfliege - mit Bamboo kein Problem
Bis Anfang der 50er war Bambus das meist verwendete Material. Diese Ära endete
aber zu diesem Zeitpunkt, da es ein Embargo gegen China gab. Damit endete auch
der direkte Import von Bambus und die ersten Fiberglas-Ruten tauchten auf und
drängten auf den Markt. Im Jahre 1973 kamen die ersten Kohlefaser Ruten und
ersetzten dann die Glasruten. Zu dieser Zeit sind viele auf den Zug
aufgesprungen und umgestiegen.
Dieser Trend hat sich jedoch seit einigen Jahren
wieder umgekehrt und es kommen immer wieder neue Bamboo Ruten auf den Markt. Nur
viel schöner, perfekt aufgebaut und gestylt, kürzer und leichter, mit perfekt
auf die Blankfarbe abgestimmten Achat-Leitringen und transparenten Bindungen.
Dieses sind die wahren Kunstwerke für die feine genussvolle Fischerei. Im Trend
liegen heute Ruten von 6-8 f mit Gewichten von 70-140 gr. und mit Schnurklassen
4-6. Die Ideallänge liegt heute bei 7-7.5 f #5 und damit kommt man bestens
zurecht.
Fliegenfischen mit Bamboo in der Bucht von Hokkaido auf Amemasu
Weltweit gibt es sehr innovative Rutenbauer mit immer neuen Ideen. So hat z.B.
Bjarne Fries aus dem kleinen Dänemark eine neue Steckverbindung entwickelt, die
sich immer mehr durchsetzt und neue Freunde gewinnt.
Info hier
Inzwischen gibt es die
unterschiedlichsten Modelle von 4 eckig bis 13 fach gespliesst. Es gibt sie in
blond oder flambiert, hohlgespliesst, doppelgespliesst, als spliced, als Spiral
gedreht, als Knotenlose, mit integrierten Bambushülsen oder mit herkömmlichen
Nickel Silber- oder Titan Hülsen und mit neuen und alten Tapern.
Die
Weiterentwicklung bleibt nicht stehen und wird ständig voran getrieben. Es ist
also für jeden Geschmack und Bedarf etwas dabei. Durchgesetzt haben sich aber
seit jeher die traditionellen hexagonalen 6 eckigen. Ich bin ein Verfechter für
die guten alten hexagonalen Parabolics, aber hier muss jeder selbst seine
individuelle Aktion finden mit der er gut zurecht kommt.
wunderschöner Amemasu - gefangen in der Bucht von Hokkaido
Der Kauf einer hochwertigen Bamboo Rute ist bei guter Behandlung eine
Anschaffung fürs Leben und den Preis auch wirklich wert. Mit Bambus zu Fischen
ist stilvoll und sehr angenehm, man fühlt es in der Seele. Man merkt wie die
Energie von dem Wurfarm über Rute und Schnur bis zur Fliege übertragen wird. Der
Unterschied zu Plastik liegt im Timing, lassen Sie die Rute die Arbeit machen
und Sie haben sehr viel Spass damit. Besonders dann, wenn man auch noch eine
Seidenschnur einsetzt.
Diese Ruten entfalten ihre ganze Dynamik besonders in
Verbindung mit diesem Naturprodukt, so wie auch schon vor 100 Jahren.
Seiden-Schnüre haben die nötige Steifigkeit, haben kein Memory und sind auch
viel dünner als herkömmliche Schnüre. Sie haben weniger Luftwiderstand und
rollen einfach besser ab und legen sich auch noch perfekt auf das Wasser. Sie
erleben die Natur bewusster, wenn Sie mit Geräten fischen, deren Rohmaterial
ebenfalls aus der Natur kommt. Seidenschnur und Bambus gehören einfach zusammen.
Und sie sind doch robust
Zu dem Vorurteil, Gespliesste wären nicht robust, kann ich aus eigener Erfahrung
sagen, das sie sehr wohl hoch belastbar sind. Ich fische seit 1968 mit Bamboo
Ruten und ich habe noch nie ein Problem damit gehabt, sie sind immer noch alle
einsatzbereit. Wenn ich da an meine Meerforelle von fast 4 kg denke, mit
Trockenfliege an kleiner Bamboo Rute Klasse 5 gefangen, dann hat sie ihre Arbeit
richtig gut gemacht und war keinesfalls am Ende.
Nicht zu vergessen der
legendäre Lee Wulf, der mit seiner 6 f # 5 Bamboo Rute Lachse bis über 10 kg
gefangen hat. Freund Bjarne fischt sogar mit seinen Bamboo Ruten auf grosse
Hechte sowie im Meer auf Meerforellen. Auch Bambus Jürgen aus Kiel hat extra
eine Bamboo Rute für die Meeresfischerei gebaut und erfolgreich im Einsatz. Das
setzt natürlich eine gewisse Pflege nach dem Gebrauch voraus und dann kann man
lange Zeit seine Freude damit haben. Deshalb kann man nur sagen:
--- Das Leben ist zu kurz um nicht mit Bambus zu fischen ---
Versuchen Sie es, Sie werden begeistert sein.
Solche Fjord Hechte sind auch für Bamboo kein Problem - lang wie das Unterteil
einer Rute
Hiromichi fischt mit Bamboo auf Amemasu
Hiromichi wartet auf den Anbiss
bildhübscher Amemasu
interessante Bamboo Linkliste
wie eine Bamboo
Rute entsteht